01. Juli 2016

Kann ich Christ sein ohne zu einer Gemeinde zu gehören?

 

Artikel: Sven Fricke

Text: Hebräer 11:6

Topic: Gemeinde und Gemeindeleben

Aus der Predigt: Biblisches Christ-sein ohne Ortsgemeinde,- ist das möglich?

Ebenfalls zum Thema: Verbindliche Gemeindezugehörigkeit & "Mitgliedschaft" in einer Ortsgemeinde etc.

Predigt: Heute hier und morgen dort,- wo ist dein Platz am Leib des Herrn?



Vor kurzem durften wir wieder "Segnungsgottesdienste" feiern, in denen wir Menschen als "Mit-Glieder" am Leib Christi in unsere Gemeinschaft aufgenommen haben. Es waren Menschen, die erkannt haben, dass sie von Gott gerufen wurden, am Bau des Reiches Gottes in Bremerhaven und Umgebung, verbindlich mitzuwirken und Teil des Leibes Christi in einer Ortsgemeinde zu sein. Gerade zu solchen Anlässen, wie dieser Segnungsgottesdienst kommt die Frage nach der Notwendigkeit einer verbindlichen Gemeindezugehörigkeit immer wieder auf den Tisch.

Es sind Aussagen wie diese:
"Ich kann auch Christ sein ohne zu einer Ortsgemeinde zu gehören, ich habe meinen Glauben und den praktiziere ich Zuhause"Oder "Ich informiere mich im Internet und habe dort viel Gemeinschaft mit anderen Christen".


Geht das denn wirklich,- Christ sein ohne Gemeinde?
Kann man seinen eigenen Glauben haben, keiner Ortsgemeinde zugehören und gleichzeitig im biblischen Sinn Christ sein?

Wenn wir nun 1000 Menschen zu diesem Thema befragen würden, hätten wir wohl unter 1000 verschiedenen Antworten die Qual der Wahl. Ich denke das es in diesem Fall das beste ist, wenn wir uns an den Urheber des Christentums wenden,- an Jesus Christus. Christus hat uns sein Wort,- namentlich die Bibel hinterlassen und genau dort finden wir auch die Antwort zu dem Thema "Christ sein ohne Gemeinde"
Was sagt uns die Bibel,- Gottes Wort zu diesem Thema?

Unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten die das Thema Gemeinde beleuchten ist ein zentraler Punkt folgender:
Die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk (Kindern Gottes)

Gottes Gemeinde wird im Wort Gottes mit dem griechischen Wort "ἐκκλησία ekklēsia" beschrieben und meint damit "die herausgerufenen aus der Welt". 1. Timotheus 3:15 

Die Gemeinde Gottes besteht also aus Menschen die aus einer von Gott abgefallenen Welt herausgerufen, gerettet und durch Jesus Christus mit Gott in eine neue und richtige Vater-Kind Beziehung gebracht wurden. Kol 1:13   /   Johannes 1:12-13

Gott sagt uns in seinem Wort etwas sehr wichtiges über die Grundlage dieser Beziehung - Den Glauben:
Hebräer 11:6
6 Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm (Gott) wohlzugefallen; denn wer zu Gott kommt, muß glauben, daß er ist und die, welche ihn suchen, belohnen wird.
Alleine an dieser einen Schriftstelle im Brief an die Hebräer können wir leicht erkennen das Glaube im Leben eines Christen fundamental wichtig ist um überhaupt in eine Beziehung mit Gott zu kommen, die unter Gottes Wohlgefallen und Segen gelebt wird. 

Die Schrift spricht davon das es unmöglich ist Gott zu gefallen wenn der Glaube an ihn schlichtweg fehlt!
Jetzt werden einige sagen: "Glauben habe ich doch, dazu brauche ich keine Gemeinde"
Wir wollen diese Aussage einmal auf den Prüfstand stellen.
Wenn die Bibel uns lehrt, dass es ohne Glauben an Gott unmöglich ist Gott zu gefallen, ergibt sich daraus die Konsequenz, dass eben dieser Glaube zum Fundament der Beziehung mit Gott geworden ist. 
Wenn aber der Glaube das Fundament der Beziehung mit Gott geworden ist, dann ist es:

1. Von ebenso großer Wichtigkeit den richtigen Glauben zu haben und,
2. Es ist notwendig zu wissen wo ich diesen Glauben finden kann.

Wie wichtig der Inhalt dessen ist was ich glaube sehen wir an der Aussage im Hebräer 11:6 wo die Bibel uns sagt was wir glauben sollen,- nämlich: "...wer zu Gott kommt, muss glauben das ER ist (das ER wahrhaftig Gott ist und existiert) UND... das ER die, welche ihn suchen, belohnen wird".

Wir können also sehen das es nicht einfach um irgend einen Glauben geht sondern um den richtigen Glauben.
Man muss wissen dass der Glaube der uns in Verbindung mit Gott bringt nicht einfach irgendwelche frei erfundenen Inhalte enthält sondern speziell und klar definiert ist. 
Es kommt darauf an was ich glaube. 
Hierzu ein kleines Beispiel:
Unter all den Milliarden Fingerabdrücken auf dieser Welt passt nur ein einziger zu mir. Hiob 37:7
Und genau so sieht es mit dem Glauben an Gott aus. Unter den unzähligen verschiedenen Glaubensrichtungen und Philosophien dieser Welt passt nur ein einziger Glaube zu dem einzig wahren Gott und Schöpfer des Himmels und der Erde. Dieser Glaube ist weder abstrakt noch schwer erkennbar oder gar verborgen vor unseren Augen sondern er ist in Gottes Wort für jeden Menschen klar geschildert.
So sagt das Wort Gottes bezüglich dieses Glaubens an anderer Stelle folgendes:
Epheser 4:5-6
5 ein Herr, ein Glaube, eine Taufe;
6 ein Gott und Vater aller, über allen, durch alle und in allen.


Nun könnte man zurecht fragen: Sven,- was hat das bitte mit der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde zutun?
Um das zu erkennen betrachten wir uns den oben genannten Punkt 2 genauer. 

2. Es ist notwendig zu wissen wo ich diesen Glauben finden kann.

Wieder wollen wir dazu Gottes Wort befragen.
Dort heißt es weiter vom Glauben folgendermaßen: 
Römer 10:17
17 Demnach kommt der Glaube aus der Predigt, die Predigt aber durch Gottes Wort.

Das Wort Gottes sagt also folgendes über den Glauben:
Der Glaube der notwendig ist um Gott zu gefallen, der Glaube der Gott ehrt und uns in die rechte Beziehung mit ihm bringt ist in der Predigt aus Gottes Wort zu finden.
"17 Demnach kommt der Glaube aus der Predigt, die Predigt aber durch Gottes Wort"
Jetzt mögen sicherlich einige unter uns sagen: "Das ist ja gut, dann brauche ich erstrecht keine Gemeinde mehr, ich höre meine Predigten online und erhalte so meinen Glauben"

Das ist jedoch ein gefährlicher Trugschluss denn...
Jede Predigt ist immer auch ein Prüfstein, auf dem das Leben und der Lebenswandel des Predigers als Beispiel für seine Zuhörerschaft steht.
Es geht also auch um Authentizität, die dem Zuhörer dazu verhelfen soll,  wahren Glauben nachzuahmen.
Dies können wir ebenso in Gottes Wort sehen, wo es heißt:
Hebräer 13:7
7 Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet (gepredigt) haben! Schaut den Ausgang ihres Wandels an, und ahmt ihren Glauben nach!

So viele Vorteile uns das Internet auch bieten mag, es stößt hier an seine Grenzen. Hier geht es um gelebte Beziehungen im täglichen miteinander.
Der Apostel Paulus sagt hindeutend auf seine Verkündigung und seinen Lebenswandel folgendes:
1. Korinther 9:26-27
26 Ich laufe nun so, nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer, der in die Luft schlägt; 27 sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verwerflich werde.

Wir sehen also das ein authentischer Lebenswandel des Predigers, gesehen und erkannt im alltäglichen Gemeindeleben im Einklang mit der Predigt des Predigers sein muss. 
Dies dient den Zuhörern ungemein da sie sogar dazu aufgefordert sind einen wahrhaftigen Glauben, gesehen im Lebenswandel ihrer Lehrer,  nachzuahmen um selber heilig leben zu können.

Wir sehen also einerseits welchen Stellenwert ein persönliches und verbindliches Miteinander im Leib Christi hat, andererseits sehen wir aber auch das ein streben nach Unverbindlichkeit und das verlassen der Gemeindeversammlungen sehr unbiblisch sind.
Etwas weiter sagt uns dazu der Brief an die Hebräer folgendes:
Hebräer 10:24-25
24 und lasset uns aufeinander achten, uns gegenseitig anzuspornen zur Liebe und zu guten Werken, 25 indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie etliche zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so viel mehr, als ihr den Tag herannahen sehet!

Hier sehen wir, wie wichtig ein liebevolles, verantwortungsvolles und verbindliches Miteinander der Gläubigen im alltäglichen Leben der Gläubigen ist, da es das Wesen und den Charakter Christi im Gemeindeleben widerspiegelt und auf seine baldige Rückkehr hindeutet. 

Wir alle, die wir uns zu Christus bekennen sind dazu aufgerufen, Verantwortung füreinander zu übernehmen, indem wir gegenseitig aufeinander achten und uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Das ist gelebter Glaube, dass ist Glaube der Werke des Glaubens hervorbringt. Gemeinde ist ein Ort des "Miteinander", des "Füreinander", des "einer achte den anderen Höher als sich selbst", des "einer Trage des anderen Lasten", des "Erbarmens", der "Verantwortung", der "Liebe"...etc.

Alleine diese Gesichtspunkte werfen die "Meine-Gemeinde-ist-zuhause & Ich-höre-online-meine-Predigt-Theorie" über Bord.

Ich selber erlebe es regelmäßig das Menschen nach einer Verkündigung auf mich zukommen und Fragen, Nöte, Sorgen etc. haben die in der Predigt angesprochen wurden. Immer öfter darf ich dann feststellen das der Dienst der Verkündigung lange nicht mit dem verlassen der Kanzel endet. Das führt mir immer wieder vor Augen welch eine große Wirkung und Kraft das gepredigte Wort auf unser alltägliches Leben hat und wie sehr dieses Wort durch den in uns wirksamen Glauben unser Leben in immer größere "Christusähnlichkeit" (heiligung) hineinbringt. Der Boden auf dem das geschieht ist das liebevolle und verantwortungsvolle Miteinander der Gläubigen untereinander.

Wieder sehen wir, welche Stellung, welchen Schutz und welche Fürsorge uns Gott als Glieder des Leibes Christi gegeben hat.

Dennoch drängt sich uns eine weitere Frage auf.
Warum gibt es bei aller Klarheit des Wortes Gottes zu diesem Thema immer noch so viele Menschen die sich offenkundig zu Christus im Glauben bekennen und doch keiner Gemeinde zugehören wollen?

Aus vielen Gesprächen mit Menschen die scheinbar immer 100 Gründe haben warum sie trotz ihres Bekenntnisses zu Christus, seinen Leib (Gemeinde) nicht bräuchten, ist immer wieder der selbe Unterton von Stolz zu hören. 

Immer wieder werden all die Dinge die im Gemeindeleben anscheinend falsch laufen als Grund einer nicht vorhandenen Mitgliedschaft in einer Ortsgemeinde aufgeführt um letztendlich den eigenen Stolz und den Mangel an Willen zur Unterordnung zu vertuschen. 
Fast immer spielen Verletzungen aus der Vergangenheit eine dominante Rolle. Diese Verletzungen werden dann meist missbraucht um ein Recht auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit einfordern zu wollen. 
Wir dürfen jedoch niemals Vergessen das die Gemeinde gerade der Ort ist an dem diese Verletzungen geheilt werden sollen und können. Außerdem ist die Gemeinde Gottes der Ort an dem unser unheilvolles Streben nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit täglich unter das Kreuz Christi gebracht werden soll. Jesus selbst machte im Garten Gethsemane von dieser trügerischen Selbstbestimmung keinen Gebrauch als er ausrief: "Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber! Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst". Matthäus 26:39

Es war Jesus der zuvor seinen Jüngern sagte: "Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich  täglich und folge mir nach!" Lukas 9:23
Die Gemeinde Jesu ist dieser Ort an dem Menschen diesen Ruf gehört haben, ihr "sogenanntes Recht" auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit unter das Kreuz Christi gebracht haben und in Liebe und Verantwortung füreinander dem Lamme nachfolgen.

Verbindlichkeit und Verantwortung füreinander gehen dort Hand in Hand,- was über das Internet nur fragwürdig und dürftig, ja ich will behaupten, unmöglich zu bewerkstelligen ist. 
Viele Fernbeziehungen sind an dem simplen Umstand der Entfernung gescheitert.
Es ist wichtig das wir erkennen das Gemeinde ein lebendiger Organismus ist, sie ist der Leib Jesu, der mit Christus als Haupt und durch das verbindliche Wirken jedes einzelnen Gliedes (die Gläubigen) am Leib erst richtig funktioniert.

Mir ist bewusst das es noch etliche weitere Beispiele für die Notwendigkeit von verbindlicher Gemeindezugehörigkeit in einer Ortsgemeinde gibt, doch alleine das Betrachten der wenigen hier angesprochenen Beispiele und  Gesichtspunkte sollte uns leicht erkennen lassen, dass es ein biblisches "Christ-sein" ohne Gemeinde nicht gibt. Der dauerhafte Zustand eines Menschen der sich zu Christus bekennt und doch nicht verbindlich und fest zu einer Ortsgemeinde gehört ist ein äußerst ungesunder, gefährlicher und unbiblischer Zustand, den die neutestamentlichen Gläubigen nicht kannten. 
(Es sei an dieser Stelle noch gesagt, dass hier nicht die Rede von Neuorientierung ist)

Wir sollten uns ehrlich fragen warum es aus biblischer Sicht keine Christen gibt, die nicht verbindlich zu einer Ortsgemeinde gehören...? - es mag sie wohl in unserer Gesellschaft zu Haufe geben, die Bibel,- Gottes Wort und Wille kennt sie jedoch nicht.
Ich möchte an dieser Stelle alle ermutigen die sich in dieser prekären Lage befinden und schon länger ohne den Segen einer Ortsgemeinde sind, sich im Gebet ernsthaft an Gott um Hilfe und Beistand zu wenden um durch Gottes Wegweisung ein wertvoller Teil seiner Gemeinde werden zu können.

Es würde unzählige Bücher füllen, wenn ich hier weiter von dem Segen berichten sollte den ich selber durch das alltägliche Leben in der Gemeinde erfahren habe. Es ist der Segen der von dem Sohn Gottes als Haupt des Leibes, der Gemeinde zu uns den Glaubenden herab fließt. Es ist der Segen Jesu des Bräutigams, der in inniger Liebe zu seiner Braut, der Gemeinde zu uns den Glaubenden herab fließt.
Diesen Segen wünsche ich allen Menschen von Herzen.


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